Von der Gemeinde in den Schuldienst

  • Dieter Junker
  • Dieter Junker

Seit 2020 war Ingo Seebach Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinden Sohren und Ober Kostenz. Nun wechselt er auf die Schulpfarrstelle am Gymnasium in Traben-Trarbach. In einem Gottesdienst in Sohren wurde der Pfarrer von Superintendent Markus Risch entpflichtet und von den Gemeinden verabschiedet.

„Seit ziemlich genau fünf Jahren bist du Pfarrer der Gemeinden Sohren und Ober Kostenz. Hier in Sohren wurdest du auch am 25. April 1993 ordiniert. Nachdem du ab 2004 nach Hilfsdienst und Sonderdienst in unserem Kirchenkreis als Pfarrer in Wolf gewirkt hast, hast du dich getraut, noch einmal etwas Neues anzufangen und bist von der Mosel in den Hunsrück gegangen“, meinte der Superintendent im Gottesdienst.

Nun traue sich Ingo Seebach wieder was Neues: „Du gehst zurück an die Mosel, vertrautes Terrain – doch diesmal in die Schule, ans Gymnasium Traben-Trarbach“, so Markus Risch. Und dies passe: „Die Arbeit mit Jugendlichen war dir immer wichtig. Hier sind vor allem die Konfirmandinnen und Konfirmanden zu nennen. Mit ihnen zu diskutieren, auch theologisch zu arbeiten, so sagtest du mir vor Wochen, das war dir wichtig. Und ich glaube, es ist auch ein Antrieb noch einmal für die letzten Jahre die Herausforderung in der Schule zu suchen“, zeigte sich der Superintendent überzeugt. „Schön, dass wir dich heute nicht verabschieden, sondern nur entpflichten“, freute sich Markus. Denn Pfarrer Seebach bleibe ja dem Kirchenkries erhalten.

Cui bono? – Wem nützt es? Von dieser Frage sei Jesus Christus erfüllt gewesen, so Pfarrer Ingo Seebach in seiner Abschiedspredigt. Jesus wollte das Beste für die Menschen. Und als seine Jünger darüber gestritten hätten, wer von ihnen denn am wichtigsten wäre, habe Jesus nichts gesagt, sondern einfach ein Kind genommen und betont, wer dieses Kind aufnehme, nehme auch Christus auf. „Willst du dir und anderen was Gutes tun, dann blicke auf die jungen Menschen. Denn Gott gibt uns nicht auf, sondern er hat eine Botschaft für uns aus den Mündern von Kindern und Jugendlichen“, betonte Pfarrer Seebach.

Nicht nur schwarz-weiß sehen, sondern die bunten Farben des Lebens wahrnehmen, dazu forderte er die Menschen auf. „Das Lebensbuch in dieser Art zu schreiben, dieses Ziel ist alle Anstrengung wert. Und auch, wenn ich heute hier Abschied nehme, so bin ich doch weiter mit Euch verbunden und will mit Euch dieses Lebensbuch weiter schreiben“, so Pfarrer Ingo Seebach.

Nachdenkliche Worte gab es vom Superintendenten. Unter Verweis auf den Propheten Daniel betonte Markus Risch die Bedeutung des Gebets. „Wir sollen lernen, dass unsere Fähigkeiten begrenzt sind. Wie leicht werden wir Menschen selbstgerecht“, so Risch. Gerade im jetzigen Wahlkampf könne man das beobachten, gab der Superintendent zu bedenken und betonte: „Ich wünschte mir manchmal in der Politik, dass nicht immer der Anschein geweckt werden müsste, dass die einzelne Politikerin, der einzelne Politiker alles in der Hand hätte. Für alles eine Lösung parat haben müsste. Die Migrationspolitik ist hier sicher eine Herausforderung, aber wir können nur vor vorschnellen Schlüssen warnen. Doch vielleicht liegt das ja nicht nur an der Politik: Wollen nicht wir auch schnelle Lösungen für Problemen und Krisen? Und wäre etwas mehr Geduld, Zeit zum Nachdenken, das Bewusstsein, dass es nicht für alles die perfekte Lösung gibt, hilfreicher?“, fragte er. Dass wir alle abhängig bleiben würden von Gottes Barmherzigkeit, das könne das regelmäßige Gebet helfen.

Auch für Pfarrer Seebach sei in den vergangenen Jahren in der Gemeinde das Gebet und der Austausch darüber wichtig geworden. „Und zwar reflektiert, so dass Raum für den Heiligen Geist ist, der unter uns wirkt, aber unsere eigene Verantwortung nicht geschmälert wird. Hier willst du weiter drüber nachdenken und sicher auch beten“, war Markus Risch überzeugt. Und dies helfe ihm auch in der neuen Aufgabe in der Schule.

Fünf Jahre war Ingo Seebach Pfarrer in Sohren und Ober Kostenz. Der aus Köln stammende Seelsorger studierte in Bonn und Marburg evangelische Theologe, von 1994 bis 2004 war er als Pastor im Sonderdienst Kurseelsorger in Bad Bertrich, bevor er im Januar 2004 als Pfarrer nach Traben-Trarbach ging. Von 2005 bis 2019 war er dann Pfarrer der Kirchengemeinde Wolf an der Mosel. Im Kirchenkreis war er lange Jugendpfarrer, nun ist er seit 1. Februar als Schulpfarrer am Gymnasium in Traben-Trarbach tätig. Die Vakanzverwaltung in den beiden Kirchengemeinden auf dem Hunsrück übernimmt Pfarrerin Serena Hillebrand aus Riegenroth. Sie wurde von Superintendent Markus Risch in Sohren im Gottesdienst vorgestellt und zu diesem Dienst beauftragt.