Unvollkommene Weihnacht

„Besinnlichkeit, jetzt! Aber schnell!“ – So wirken alljährlich die Stimmen in der Advents- und Weihnachtszeit auf mich, die vielerorts auf mich einreden. Gerade kirchliche Stellungnahmen arbeiten ja immer wieder mit durchaus gut gemeinten Ratschlägen, warum Ruhe und Frieden im Lichterglanz gut tut. Wenn ich entsprechende Texte lese oder höre, geht es mir danach meistens noch schlechter als vorher. Ganz ehrlich: Oft schaffe ich es einfach nicht, mir selbst Muse zu gönnen. Es ist einfach zu viel zu tun, gerade im Advent: Organisieren, Vorbereiten, Feiern besuchen. Hinzu kommen die Termine der Kinder – und dann geht plötzlich das Auto kaputt, oder wahlweise die Kaffeemaschine oder der Staubsauger.

Das Verrückte an Weihnachten aber ist, dass das gar nicht so schlimm ist, zumindest nicht für Gott. Die Wehen, die ihn zur Welt bringen sollen, setzen nämlich zur Unzeit ein: Kein Dach über dem Kopf, Stress bei der Wohnungssuche – ein Stall musste her, der definitiv weder über eine Heizung verfügte noch elektrisches Licht. Man könnte auch sagen: Hier ging schief, was schiefgehen konnte. Und Zeit für Besinnlichkeit hatten Maria und Josef bestimmt nicht.

Dennoch geschah das Wunder: Das Kind wurde geboren, Gott kam zur Welt. Es erfreute alle, die davon hörten oder es sogar selbst erleben durften!  Es wurde Weihnachten.

Vielleicht kann das ein Trost sein für alle, die in diesen Tagen in Stress und Sorge aufzugehen drohen: Gott ist da und kommt mir nah, egal, ob ich Muse und Besinnlichkeit verspüre oder nicht. Das ist entscheidend; das macht mich froh.

In dieser Gewissheit wünsche ich Ihnen und allen, die Ihnen wichtig sind, fröhliche Weihnachten!

Markus Risch
Superintendent
Evangelischer Kirchenkreis Simmern-Trarbach