Düsseldorf. Vom 1. September bis 4. Oktober begehen die christlichen Kirchen die Schöpfungszeit, eine Zeit des Umdenkens, in der die Verantwortung des Menschen für die Bewahrung von Gottes Schöpfung im Fokus steht. „Zu lange ist dieses Kernthema christlicher Ethik in den Hintergrund gerückt“, sagt der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dr. Thorsten Latzel, mit Blick auf den Dürre-Sommer 2026 mit Waldbränden, vertrockneten Flüssen und tausenden Hitzetoten.
„Die ökologischen Herausforderungen lassen sich nicht allein technisch oder moralisch bewältigen“, so Latzel. „Wir müssen uns selbst neu verstehen: Wir sind ein Teil von Gottes Schöpfung, sie ist keine Ware, keine Selbstverständlichkeit und kein Privatbesitz.“ Dabei betont er: „Unser Lebensstil hat Folgen im Positiven wie Negativen – und er kostet Menschen das Leben. Um es deutlich zu sagen: Wir erleben gerade unsere Schöpfungs-Prüfung.“
Gebote für die Schöpfungszeit, Besuche bei Einrichtungen und Menschen
In der Zeit vom Start der Schöpfungszeit am Weltschöpfungstag bis zu ihrem Ende am Erntedank-Fest wird der rheinische Präses unterschiedliche Themen setzen. Unter anderem veröffentlicht er in seinem Präses-Blog die von ihm verfassten 10 Gebote für die Schöpfungszeit und besucht Einrichtungen und Menschen, die sich beispielhaft für die Bewahrung der Schöpfung engagieren. Im Kern gehe es immer um eine geistliche Frage: „Worauf kommt es mir eigentlich an? Ich kann mein Leben anders genießen, wenn ich nicht ständig konsumieren und alles haben muss, sondern mich dankbar als beschenkt erfahre und mit anderen teile.“
Drei Themen stehen dabei im besonderen Fokus:
Hitze: Es braucht ein Recht auf Schatten
Mehr als 15.000 Menschen sind in diesem Jahr laut konservativen Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) durch extreme Hitze umgekommen, der größte Teil ältere Menschen. Hitze werfe soziale Fragen auf, betont der rheinische Präses. Denn wer einen Garten, eine Klimaanlage oder ein kühles Haus habe, könne sich leichter schützen. Deshalb seien Begrünung, Schattenflächen, Wasser und entsiegelte Flächen im öffentlichen Raum sowie Hitzeschutzkonzepte in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen so wichtig. Kirchen böten hier kühle Räume, auch um andere zu treffen und geistlich einzukehren. Präses Latzel: „Es geht darum, unsere Städte so zu gestalten, dass auch die Schwächsten in ihnen gut leben können. Es braucht sozusagen ein Recht auf Schatten.“ Anfang September besucht Thorsten Latzel die Düsseldorfer Altenpflegeeinrichtung Tersteegen-Haus, die nach der Neueröffnung exemplarisch mit einem baulichen Hitzekonzept aufwartet und weitere Maßnahmen wie Klimatisierung plant.
Dürre: Anlass für Umkehr
Die Dürre im Jahr 2026 zählt laut Deutschem Wetterdienst zu den schwersten Trockenheitsphasen seit Beginn der Aufzeichnungen mit Wasserknappheit, vertrockneten Böden und Waldbränden – zuletzt etwa in der Eifel. Die Folge sei eine buchstäbliche „Ver-Wüstung“. „Die Wüste ist in der Bibel ein ambivalenter Ort. Sie ist lebensfeindlich, aber zugleich ein Ort, an dem Menschen umkehren und ihr Leben neu ausrichten.“ Um solch eine Neuorientierung gehe es auch jetzt: Ressourcen zu schonen und erfüllter zu leben, schlössen sich nicht aus, sondern ein. Ende September reist Präses Latzel zum Ausbildungsstart der Schüler-Klimabotschafter (Weltretter-Ausbildung) der Evangelischen Kirche im Rheinland nach Bad Kreuznach. „Ich bin gespannt, welche Projekte die Schülerinnen und Schüler vor Augen haben. Wir brauchen gute Ideengeber für die Zukunft, gerade in der jüngeren Generation gibt es hier ein starkes Engagement.“
Nahrungsmittelverschwendung: Ein unhaltbarer Zustand
Rund 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittel landen allein in Deutschland laut Zahlen des Umweltbundesamtes aus 2024 pro Jahr im Müll. „Das ist ein unhaltbarer Zustand“, so der leitende Geistliche der rheinischen Kirche. „Im Vaterunser beten wir ‚Unser tägliches Brot gib uns heute‘. Dieses kleine Wort ‚unser‘ verändert alles. Was Menschen satt macht, gehört auf den Tisch, nicht in die Tonne.“ Präses Latzel setzt sich angesichts der Illegalität des sogenannten Containerns für eine Regelung der Verwertung abgelaufener Lebensmittel ein. „Es kann nicht sein, dass das Retten guter Lebensmittel unter Strafe gestellt wird, das massenhafte Wegwerfen aber nicht.“ Im Rahmen der Schöpfungszeit wird er sich unter anderem mit Aktivistinnen und Aktivisten für die Rettung von Lebensmitteln austauschen.
Darüber hinaus wendet Latzel sich in einem Bienen-Gottesdienst dem Thema Artenschutz zu und tauscht sich zur Kreislaufwirtschaft aus. Mehr zu den Positionen und Aktionen des rheinischen Präses rund um die Schöpfungszeit erfahren Sie auf dessen Social-Media-Kanälen LinkedIn, Instagram und Facebook sowie im Präses-Blog unter http://www.glauben-denken.de/.
Stichwort: Schöpfungszeit
Die Schöpfungszeit ist eine ökumenische Zeit im Kirchenjahr, die vom 1. September bis zum 4. Oktober geht. Sie lädt dazu ein, Gottes Schöpfung neu wahrzunehmen und für ihre Bewahrung einzutreten. Dazu gehört es auch, das eigene Handeln zu hinterfragen. Im Mittelpunkt stehen Dankbarkeit, Verantwortung und Umkehr. Präses Dr. Thorsten Latzel ist Botschafter der Schöpfungszeit.
