300 Jahre Wegekreuz bei Uhler: Bischof und Präses feiern gemeinsam Gottesdienst

  • 28.05.2026

Seit 300 Jahren steht an der Straße zwischen Uhler und Kastellaun ein Wegekreuz mit einer bewegten Geschichte. Viele Jahre war es ein Ausdruck des Streites zwischen den christlichen Konfessionen, doch längst ist es zu einem Symbol des ökumenischen Miteinanders von Protestanten und Katholiken geworden. Am 7. Juni werden dies der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann und der rheinische Präses Dr. Thorsten Latzel hier in einem gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst feiern.

Das Kreuz wurde am 6. Juni 1726 von katholischen Bürgern aus Kastellaun auf kurtrierische Anordnung zwischen Uhler und Kastellaun errichtet. Uhler gehörte damals zum Dreiherrischen Gericht Beltheim, einem Kondominium, in dem Kurtrier, die Grafschaft Sponheim und Metternich-Winneburg jeweils Anteile besaßen, wobei nach der Reformation mit der Hinteren Grafschaft Sponheim einer der drei Landesherren evangelisch wurde, die beiden anderen Landesherren katholisch blieben.

Wenige Tage nach der erstmaligen Errichtung des Kreuzes wurde es bereits von Unbekannten zersägt. Kurtrier zitierte daraufhin die mehrheitlich evangelischen Einwohner von Uhler vor das Gericht nach Buch, was allerdings die sponheimische Herrschaft den Einwohnern, die sponheimische Außenbürger von Kastellaun waren, untersagte, worauf diese vom Dreiherrentag mit einer Geldstrafe belegt wurden.

Acht Jahre später erhielten die Bürger von Uhler von Kurtrier den Befehl, zwischen Uhler und Kastellaun erneut ein Kreuz aufzustellen, dies unter Androhung einer Strafe von 200 Gulden. Die sponheimische Herrschaft untersagte dies den Einwohnern von Uhler. Kurtrier wollte daraufhin die Ausführung mit militärischer Gewalt durchsetzen, allerdings versammelten sich auf Anordnung der sponheimischen Verwaltung 150 Bürger von Kastellaun, Roth und Uhler, um dies zu verhindern.

Am 4. Februar 1738 ordnete der kurtrierische Amtmann erneut an, ein Kreuz zu errichten, was von dem sponheimischen Amtmann wiederum untersagt wurde. Wenige Tage später erschienen dann 13 kurtrierische Untertanen aus Nachbardörfern und stellten ein neues Kreuz auf. Die sponheimische Verwaltung schaltete daraufhin das lutherische Konsistorium in Trarbach ein, 40 sponheimische Bürger aus Kastellaun erschienen, entfernten das Kreuz und trugen es auf kurtrierisches Territorium. Im September 1738 errichteten auf Anordnung des kurtrierischen Amtmannes in Zell 15 Soldaten zusammen mit Bürgern aus Buch das Kreuz. Daraufhin ging der Streit vor das Reichskammergericht in Wetzlar, das dann Kurtrier Recht gab. Seit dieser Zeit steht ein Wegekreuz an dieser Stelle.

Als vor gut zehn Jahren aufgrund des Baus einer Umgehungsstraße das Kreuz versetzt werden musste, beschlossen das Presbyterium der damaligen evangelischen Kirchengemeinde Bell-Leideneck-Uhler und der Verwaltungsrat der damaligen katholischen Pfarrei Kreuzauffindung in Kastellaun, als Zeichen der ökumenischen Verbundenheit und auch als Ausdruck der Überwindung dieser konfessionellen Streitigkeiten, das Kreuz gemeinsam am neuen Standort in unmittelbarer Nähe des historischen Standortes einzusegnen, was dann am Reformationstag 2014 erfolgte.

Nun, 300 Jahre, nachdem erstmals hier ein Kreuz aufgestellt wurde, laden jetzt die katholische Pfarrei Kastellaun Heilige Familie und die evangelische Kirchengemeinde Zehn Türme zu einem ökumenischen Gottesdienst am Kreuz, bei dem Bischof Stephan Ackermann und Präses Thorsten Latzel predigen werden. Um 16.30 Uhr ist Treffen an der evangelischen Kirche in Uhler mit Präses Latzel und an der katholischen Kirche in Kastellaun mit Bischof Ackermann. Von dort geht es dann zum Wegkreuz bei Uhler, wo um 17 Uhr der Gottesdienst gefeiert wird, musikalisch mitgestaltet vom Posaunenchor Kastellaun-Uhler. Im Anschluss daran besteht die Möglichkeit zur Begegnung und zum Gespräch. Bei schlechtem Wetter wird der Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Uhler gefeiert.

  • Dieter Junker
  • Dieter Junker