Himmelfahrt als Schritt auf dem Weg zum erwachsenen Glauben

  • Dieter Junker
  • Dieter Junker

Christi Himmelfahrt ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einem erwachsenen Glauben. Dies betonte Dr. Thorsten Latzel, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, bei einem Gottesdienst auf dem Uhler Kopf. „Es geht um das Abschiednehmen und Loslassen unseres Glaubens. Den Abschied von einem Glauben, der sich an anderen festmacht. Ein Loslassen von der Autorität anderer Personen“, so der Präses in Uhler.

Es war ein besonderer Gottesdienst. Schon seit mehr als 20 Jahren feiern Christinnen und Christen rund um Uhler in den Kirchengemeinden Kastellaun und Zehn Türme an Christi Himmelfahrt auf dem Uhler Kopf einen Gottesdienst unter freiem Himmel. In diesem Jahr war der rheinische Präses gekommen, um hier die Predigt zu halten, aber auch, um das Gespräch mit den Menschen zu suchen.

Erwachsen glauben, das geschehe beispielhaft an Himmelfahrt, so der Präses. „Christus schafft Raum, damit sich unser Glaube entfalten kann. Damit wir uns als Christinnen und Christen entfalten können. An die Stelle des Christus neben uns tritt ,Christus in uns‘. Gottes Geist wirkt in uns und macht uns zu seinen Zeugen“, betonte Latzel vor den mehr als 180 Gottesdienstbesuchern. Um diesen Prozess gehe es auch immer wieder in den Evangelien, zum Beispiel, wenn Jesus bei Heilungen erst frage: „Was willst du, dass ich dir tue?“ und am Ende sage: „Dein Glaube hat dir geholfen“, unterstrich der Präses.

„Ein erwachsener Glaube schließt das tiefe kindliche Urvertrauen ein, von Gott behütet und bewahrt zu sein. Und zugleich übernimmt er selbst Verantwortung“, sagte Latzel und machte deutlich: „Er wagt es, selbst zu denken, zu zweifeln, sich auch im Glauben seines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Ein erwachsener Glaube habe den Mut, sich mit den Dämonen von Hass und Hetze unserer Zeit anzulegen, der Zerstörung von Gottes Schöpfung zu widersprechen „oder das himmelschreiende Unrecht beim Namen zu nennen, wenn Kinder weltweit oder in unserem Land hungern müssen“. Erwachsen zu glauben bedeute auch, „dass wir uns mutig den Aufgaben unserer Zeit stellen – und nicht in Erinnerung an irgendwelche alten Zeiten schwelgen“, so der rheinische Präses.

Und er erinnerte die Gottesdienstbesucher: „Wer die Geschichte der Kirche wahrnimmt, weiß, dass Glauben nie einfach war und die Kirche immer vor Herausforderungen stand.“ Doch es sei wichtig, „dass wir uns mutig den Aufgaben unserer Zeit stellen und nicht in Erinnerung an irgendwelche alten Zeiten schwelgen“, gab Latzel zu bedenken.

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst traditionell vom Posaunenchor Kastellaun-Uhler. Und parallel zum Gottesdienst gab es ebenfalls auf dem Uhler Kopf einen eigenen Kindergottesdienst für die kleineren Besucher.

Nach dem Gottesdienst gab es dann genügend Gelegenheit, bei Würstchen und Steak und Getränken sich zu unterhalten, sich auszutauschen und ins Gespräch zu kommen. Auch der Präses suchte immer wieder das Gespräch und unterhielt sich mit vielen Menschen. Und das alles bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel.