In einem Abendmahlsgottesdienst in der evangelischen Kirche in Rheinböllen wurde Pfarrer Wolfgang Jöst von seinen Aufgaben als Pfarrer der Kirchengemeinden Dichtelbach und Rheinböllen entpflichtet und in den Ruhestand verabschiedet. Er war seit 2014 Seelsorger in den beiden Gemeinden, zuvor war er in Simmern und in Jeckenbach als Pfarrer tätig. Mitgestaltet wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor und vom Kirchenchor Rheinböllen.
„Abschied nehmen, von einer Gemeinde, von Menschen, mit denen man sehr verbunden ist, tut oft unendlich weh und es fällt schwer“, meinte Pfarrer Jöst im Gottesdienst. Er möchte heute aber seinen Gemeinden danken, für die Geduld, für das Ertragen von vielleicht unbedachten Worten, für die Vergebung, für viele Begegnungen und Gespräche, aber auch für all das, wie diese Gemeinden ihn in diesen Jahren geprägt haben.
„Es war eine Umstellung, statt des vertrauten schwarzen Talars hier in den Gottesdiensten die weiße Albe zu tragen“, meinte er schmunzelnd, als er darauf verwies, dass das Presbyterium ihn bat, in der Gemeinde den „weißen Talar“ zu verwenden. Doch rasch habe er erkannt, dass die Albe auch das alte Taufgewand sei, das daran erinnere, wo wir herkommen würden. „Und es steht für das Licht der Auferstehung“, fügte er hinzu. Wegen der weißen Albe sei er oft von anderen Pfarrern im Kirchenkreis als der „katholische Kollege“ begrüßt worden. „Doch ich fand dies nicht schlimm. Im Gegenteil. Wir Protestanten könnten ruhig etwas katholischer werden, und die Katholiken durchaus auch etwas evangelischer. Denn wir wurden alle aus einer Taufe gehoben“, so Wolfgang Jöst, dem gerade die Ökumene sehr am Herzen lag.
„Ich gehe jetzt, damit wird mir manche Last genommen, die ich dennoch gerne getragen habe, die aber auch erschöpft hat“, meinte der Pfarrer im Gottesdienst. „Loslassen, das ist nicht leicht. Nicht für mich, nicht für die Gemeinde“, gab Wolfgang Jöst zu bedenken. Doch er machte auch deutlich: „Elf Jahre sind für die Kirche keine lange Zeit, es gab vorher Seelsorger und es wird sie danach auch geben. Doch bleiben wird der, der das gute Werk begonnen hat und es auch mal vollenden wird, Jesus Christus.“
„Du warst ein Seelsorger, der den Menschen nachgegangen ist, der sich um die Menschen gesorgt hat und der ihnen beistand, in schönen wie auch schweren Stunden“, würdigte Superintendent Markus Risch den scheidenden Pfarrer. Dabei sei ihm die Gemeinschaft und die Beziehungspflege immer wichtig gewesen, zu den Menschen, über die Generationen hinweg, ergänzte Risch.
Wolfgang Jöst und seine Frau Beate würden im Hunsrück viele Spuren hinterlassen. „Ihr habt als Team hier Netzwerke geknüpft, Visionen und Leuchtturmprojekte umgesetzt. In der Ökumene vor Ort, aber auch weltweit. Mit Freizeiten, mit begeisternden Gottesdiensten, in der Flüchtlingsarbeit oder mit dem Café Pfarrgarten“, unterstrich der Superintendent. Und er war sich sicher: „Diese Beziehungen können und werden weiterwachsen.“
Wolfgang Jöst, in Darmstadt geboren und an der Bergstraße, in der Nähe von Hannover und in Trier aufgewachsen, studierte nach einer Krankenpflegerausbildung Theologie in Wuppertal, Heidelberg, Freiburg und Basel. Es folgte ein Vikariat in Heidelberg sowie eine Pfarrstelle zur Anstellung in Meisenheim am Glan. 1989 wurde Wolfgang Jöst Pfarrer in Jeckenbach bei Meisenheim, 2001 folgte der Wechsel nach Simmern und 2014 dann die Pfarrstelle in Rheinböllen und Dichtelbach. Im Kirchenkreis Simmern-Trarbach war er längere Zeit auch in der Kindergartenarbeit tätig, so als Vorsitzender des Kindergartenverbundes VEKiST im Kirchenkreis.
