Nach dem Hochwasser: Wie es in rheinischen Gemeinden aussieht / Hilferuf aus Bad Neuenahr-Ahrweiler

In der Nacht zu Donnerstag, 15. Juli, hat es vielerorts verheerende Unwetter gegeben, die Bedrohung durch Hochwasser hält vielerorts an, immer neue Schäden werden entdeckt. Betroffen sind auch Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche im Rheinland. Kirchen, Keller und Gemeindehäuser sind vollgelaufen. Zudem ist die Notfallseelsorge der Landeskirche an diversen Orten im Einsatz, vor allem in der Voreifel und in Ahrweiler. Dort hat das Hochwasser vieles zerstört. Hier ein Überblick, der fortlaufend aktualisiert wird.

Stand: 22. Juli, 11:30 Uhr

Notfallseelsorger in der Voreifel im Dauereinsatz

Im Kirchenkreis Bonn ist die Notfallseelsorge seit Tagen im Dauereinsatz. Wie der Alltag der Mitarbeitenden vor Ort aussieht, verdeutlicht ein Bericht mit dem Titel „Wir sind für die Menschen da“, den der Kirchenkreis Bonn auf seiner Website veröffentlicht hat.  Der Bonner Journalist Peter Müller hat dafür Pfarrer Albrecht Roebke, den evangelischen Notfallseelsorger für Bonn und die Region, einen Tag bei seinem Dienst an den Grenzsituationen des Lebens in der Voreifel begleitet. Der Fokus liegt dabei auch auf der Begleitung der Rettungskräfte, die selbst an ihre Grenzen kommen angesichts von so viel Tod und Leid – und die doch die Hoffnung nicht verlieren wollen und dürfen. Den Bericht lesen Sie hier.

„Christus im Schlamm“ in Schleiden

„Die Menschen im Schleidener Tal sind von dem Unwetter ebenfalls enorm betroffen. Die Situation ist entsetzlich“, berichtet Hans-Joachim Jürgens, Presbyter der Trinitatis-Kirchengemeinde Schleidener Tal. Zwei der drei Kirchen der Gemeinde seien komplett verwüstet worden. Lediglich die Kirche in Hellenthal ist noch nutzbar. „Wir haben mit einer großen Helfergruppe unsere wunderschöne Kirche in Schleiden, an der Olef gelegen, soweit möglich von Schlamm und Verwüstung befreit“, berichtet Jürgens. Neben Fotos von den Aufräumarbeiten schickte der Presbyter unserer Redaktion auch ein Bild eines verschlammten Kruzifixes, den jemand auf einen Tisch vor der Kirche gelegt habe. „Ein anderer wischte spontan den Dreck runter, und so lag der Christus dann da, in all dem Chaos, im Schlamm. ,Christus im Schlamm‘ dachte ich mir und wurde sehr still“, so Jürgens. Dieses Bild habe ihn wegen der Gedanken von Präses Dr. Thorsten Latzel in seinem Theologischen Impuls ,Christus im Schlamm‘ besonders berührt. „Dann griff ich zu meinem Handy, machte das Bild und verlor das Kruzifix aus den Augen. Ich weiß nicht, wo es vorher war, und nicht, wohin es getragen wurde. Aber ich wollte das Foto weitergeben, verbunden mit der tröstenden Botschaft an alle Menschen, die in diesen Tagen so viel ertragen müssen.“

Dieses Foto von einem verschlammten Kruzifix hat uns Hans-Joachim Jürgens, Presbyter der Trinitatis-Kirchengemeinde Schleidener Tal, zugeschickt. (Foto: Hans-Joachim Jürgens)

Bad Neuenahr-Ahrweiler: Aufruf zur Rettung der Martin-Luther-Kirche

Durch das Hochwasser ist die Martin-Luther-Kirche in Bad Neuenahr-Ahrweiler stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Um die Kirche zu retten, bittet der Kirchenkreis Koblenz um tatkräftige Unterstützung. Wer helfen möchte, die Kirche zu retten, kann am Mittwoch, 21. Juli, um 10 Uhr zum Treffpunkt an der Martin-Luther-Kirche, An der Kurgartenbrücke in Bad Neuenahr kommen. Mitzubringen sind demnach: Kleidung für Schlammarbeiten, Gummistiefel, Gummi-Handschuhe,  Baustelleneimer und, wenn vorhanden, Schaufeln sowie Schubkarren. Wichtig: Eine Anreise ist nach Angaben des Kirchenkreises Koblenz nur über die Autobahnabfahrt Bad Neuenahr möglich. Dort in Richtung Bad Neuenahr fahren und im Ort, möglichst nur in nicht betroffenen Straßen (ersichtlich an Müllbergen) parken und zu Fuß zur Kirche kommen – „eher zu früh parken als zu spät abstellen“. Getränke und Verpflegung erfolgt vor Ort und ist sichergestellt. In der Kirche wurden viele Gottesdienste zur Eröffnung der rheinischen Landessynode gefeiert.

Das Wasser stand in der Martin-Luther-Kirche in Bad Neuenahr bis zur Platte des Altars. (Foto: Andrea Stenzel)

Gemeindehaus und Kirche im Kirchenkreis An der Agger beschädigt

„Im Norden des Kirchenkreises An der Agger in der evangelischen Kirchengemeinde Wipperfürth ist das evangelische Gemeindehaus bis zu einer Höhe von 1,40 Metern vollgelaufen“, berichtet Judith Thies, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises An der Agger. Die gesamte untere Etage sei förmlich weggespült worden. Ein Anbau der Kirche am Markt der Hansestadt ist laut Thies ebenfalls stark betroffen. „Hier sind Küchen, Toilettenanlagen, Möbel, Musikinstrumente, technische Anlagen zerstört.“ Auch am Wochenende sei ein Team von Helfenden rund um Pfarrerin Stefanie Eschbach und Martina Schulz aus dem Gemeindebüro im Einsatz gewesen. „Nach ersten Schätzungen beläuft sich der Schaden auf mehr als 100.000 Euro.“ Zum Teil hat die Gemeinde immer noch keinen Strom, das Gemeindebüro ist nicht benutzbar. Der Kirchenkreis An der Agger sei mit seinen Talsperren und vielen Flüssen besonders wasserreich. „An mehreren Orten strömten die Fluten durch Gärten und Keller. In Engelskirchen ist ein historisches Ärztehaus halb abgebrochen, zwei Brücken wurden zerstört.“

Ein Großteil der Einrichtung des Gemeindehauses der evangelischen Kirchengemeinde Wipperfürth ist zerstört. (Foto: Stefanie Eschbach)

Pfarrer Bach berichtet von dramatischer Situation in Bad Neuenahr

„In der Tat ist die Situation vor Ort sehr schwierig, neben sehr vielen Menschen, die ihre Wohnung und ihre Bleibe verloren haben, gibt es so viele – auch Gemeindeglieder, die vom hereinbrechenden Wasser so überrascht wurden, dass sie nicht mehr ihrer Kellerwohnung entkommen sind. Noch sind längst nicht alle Keller und Tiefgaragen abgepumpt, so dass weiterhin noch Tote geborgen werden“, berichtet Friedemann Bach, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Neuenahr, am Sonntag von der dramatischen Situation in Bad Neuenahr. Auch die Kirchengemeinde sei strukturell schwer vom Hochwasser getroffen, wie Bach an ein paar Beispielen verdeutlicht: „Die größere Martin-Luther-Kirche direkt an der Ahr gelegen hat über einen Meter unter Wasser gestanden, das bedeutet, die Sakristei, die Kellerräume mit WC und Heizung und Materialraum stehen immer noch teilweise im Wasser oder Schlick, das gesamte Kirchengestühl, aber auch ein sehr guter Flügel, Holzinstrumente und eine Truhenorgel sowie alle über 200 Gesangbücher sind nicht mehr verwendbar.“

Und weiter: „Das Gemeindeamt ist so verwüstet, dass die gesamte Technik von PCs, Druckern, Server, ja auch das komplette Archiv vernichtet sind. Ebenso der Kopierraum der Kirchengemeinde mit Material für Taufen, Trauungen, Beerdigungen und Geburtstage samt Bibeln steht im Wasser beziehungsweise Schlick.“ Im Gemeindehaus, das vor einigen Jahren für mehr als eine Millionen Euro restauriert worden sei, sei das komplette Untergeschoss mit Werkstatt, Jugendräumen, Materiallager, einer neuen Heizung und Umluftanlage zerstört. „Der Hof ist noch voller Schlick, obwohl schon einiges aus den Räumen entfernt wurde, in denen Zwischenwände und Deckenverkleidungen einstürzten, Fußböden in der Kirche und im Gemeindehaus aufbrachen“, berichtet Pfarrer Bach.

Im Mehrgenerationenhaus sind laut Bach alle Gruppenräume des sechsgruppigen Kindergartens durch das Hochwasser geflutet worden. „Zu allem Verdruss ist auch unser Sozialprojekt ‚Kerit‘ sehr betroffen, die komplette Etage mit Wohnzimmer, Küche, Versammlungsraum und Büro wurden zerstört. Im Juni erst hatten wir begonnen das Projekt zu erweitern, indem wir Kleiderspenden sammelten, die zu einem kleinen Preis im Keritladen verkauft werden sollten.“ Sowohl die noch zu sortierenden Spenden, aber auch Winterbekleidung und der gesamte Laden seien der Jahrhundertflut zum Opfer gefallen. „Gott sei Dank haben Mitarbeitende und auch Bewohnerinnen sowie Bewohner im Kerit die Flutkatastrophe überlebt. Aber in den ersten Stunden ist der Mitarbeiterschaft mehr als zum Weinen gewesen. Einige waren nicht nur ungläubig angesichts dieser massiven Schäden, sondern können sich noch gar nicht vorstellen, wo es wie weitergehen soll.“

Mittlerweile werde versucht, den Schlick zu entfernen und aufzuräumen. „Dankbar sind wir über Hilfsangebote vor Ort, die uns ermutigen doch noch eine Zukunft für die bisher florierende Kinder- und Jugendarbeit mit reichhaltigen Musikangeboten, Arbeit mit und für Senioren und das diakonische Engagement zu sehen. Uns bisher unbekannte Menschen stehen uns bei und auch Gemeindeglieder fassen mit an“, sagt Pfarrer Bach.

„… und Ihnen viel Kraft“: Präses Latzel berichtet aus der überfluteten Gemeinde Trier-Ehrang, wo er mit Notfallseelsorgerin Vanessa Kluge unterwegs war

„Heute war ich mit Pfarrerin Maren Vanessa Kluge, einer unserer Notfall-Seelsorger-/innen, unterwegs in der Gemeide Trier-Ehrang. Der Ort ist noch von der Polizei abgeschirmt, nur Helfer-/innen und Anwohner-/innen kommen hinein. Zwei Stunden lang sind wir mit dem Bollerwagen durch die Straßen gezogen – voller Kaffee-Kannen, Wasserflaschen, belegter Brötchen, Bananen und Schoko-Keksen. Nervennahrung für die Menschen, die dort den Schutt beseitigen, nachdem das Wasser zurückgegangen ist. In den letzten Tagen stand es hoch bis in den ersten Stock. An den Wänden sieht man die Schmutzrinne. Geht man durch die Straßen, so liegt da das ganze Leben von Menschen. Ausgekippt auf die Straße. Zu Müll geworden durch den Schlamm. Die Menschen sind noch in der ersten Krisen-Reaktionsphase – irgendwo zwischen Schock, Anpacken, das Gröbste beseitigen. Das alles wirkt völlig surreal, weil jetzt – bei schönen Wetter – überall Menschen draußen sind, reden, arbeiten. Fast als hätten sich alle zu einem kollektiven Sperrmüll verabredet. Nur, dass es nichts zu feiern gibt. Außer die große Hilfsbereitschaft. Überall stehen Feuerwehr, Hilfskräfte, Malteser, schweres Räumgerät. Und eben unser kleiner Bollerwagen. Vanessa Kluge erklärt mir, wie es hier gestern, vorgestern ausgesehen hat. Zwischenzeitlich bieten wir unsere Ladung allen an, die uns auf dem Weg begegnen. Einsatzkräften, die seit Tagen gearbeitet haben, mir nur wenig Schlaf. Bewohner-/innen, die von einem Berg von Müll vor ihrem Haus stehen. Waschmaschinen voller Schlamm. Hanteln lassen sich abspritzen. Matratzen sind so voll, dass sie sich kaum heben lassen. Ein Mann ist froh, dass es wenigstens auch den alten Weihnachtsschmuck erwischt hat. Konnte er eh nie leiden. Jetzt gibt es neuen.

Der Kaffee geht schnell weg, ebenso die Bananen und Kekse. Mich beeindruckt die offene Herzlichkeit meiner Kollegin. Sie verschenkt das Essen, als würde sie dafür bezahlt. Lächelt, scherzt, bringt Menschen dazu, nicht zu verzweifeln. Und immer wieder der Satz: ,… und Ihnen viel Kraft.‘ Ihre Form des Segens. Vielleicht eine Form der Gegenwart Gottes in der Situation: Brötchen und der Wunsch ,viel Kraft‘. Eine Anwohnerin: ,Geweint habe ich nicht bei der Flut. Erst, als ich die Hilfsbereitschaft der Menschen spürte.‘

Zu anderen Dörfern im Gebiet von Pfarrerin Maren Vanessa Kluge gibt es noch keinen Kontakt. Und auch in Ehrang beginnt die Trauerarbeit noch, wenn der Schock sich gelegt hat und die Menschen den ganzen Schaden langsam realisieren werden. Ich bin froh, dass wir als Kirche hier ökumenisch mit unserer Notfall-Seelsorge vor Ort sind. Gott segne alle, die sich hier engagieren, und alle Menschen, denen sie begegnen.“

Notfallseelsorgerin und Pfarrerin Maren Vanessa Kluge mit Präses Dr. Thorsten Latzel. (Foto: Dr. Thorsten Latzel)

Präses Latzel telefoniert mit Pfarrerinnen und Pfarrern in den von der Flutkatastrophe betroffenen Gemeinden

„Ich habe eben mit verschiedenen Gemeinden in den Überschwemmungsgebieten telefoniert. Das sind wirklich erschütternde Erfahrungen, welche die Kolleg-/innen schildern. Autos, die in Einsturzkratern liegen und bei denen niemand weiß, ob dort nicht noch Menschen drin sind. Tote Pferde, die im Wasser schwimmen. Strom und Telefon sind an vielen Stellen noch abgerissen, so dass man gar nicht genau weiß, wie es den einzelnen Menschen geht. Andere Gemeinden hatten ,nur‘ Wasser in den Häusern und Gebäuden – merken aber, wie mitunter jahrerlange Renovierungsarbeiten mit einem Mal zerstört sind. An den intensiv betroffen Orten findet noch erste Krisen-Intervention statt. Was dies für seelsorgliche Verarbeitung bedeutet, ist noch kaum abzusehen. Richtig berührend ein Gespräch mit einem Kollegen in einer weniger betroffenen Gemeinde: ,Wir trommeln gerade Ehrenamtliche zusammen, um anderen zu helfen.‘ Viele unserer Pfarrer-/innen leisten gerade Außerordentliches in der Vernetzung von Menschen, in der Stärkung von Betroffenen. Gott stärke und stütze sie. Wir sind im Gebet und in Gedanken bei ihnen!“

Die Wassergewalten der Urft haben die Gemünder Kirche stark beschädigt. (Foto: Oliver Joswig)

Zwei von drei Kirchen in Eifelgemeinde stark beschädigt

„In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli sind große Teile unseres Gemeindegebietes durch die Wassermassen von Urft und Olef – aber auch der vielen übrigen Nebenflüsse (eigentlich Bächlein) – im Wasser untergegangen beziehungsweise schlicht zerstört worden“, berichtet Oliver Joswig, Pfarrer der Evangelische Trinitatis-Kirchengemeinde Schleidener Tal. Und weiter: „In unserer Eifelgemeinde sind zwei Kirchen durch die Wassergewalten von Urft (Gemünd) und Olef (Schleiden) völlig unbrauchbar gemacht worden. In der dritten Kirche (Hellenthal) können wir am Sonntag Gottesdienst feiern, da sich hier eine Schäden in einem schnell behebbaren Rahmen befinden.“ Dieser Gottesdienst am Sonntag, 18. Juli, stehe ganz unter dem Zeichen der Flutkatastrophe – und ist auch auf dem gemeindeeigenen YouTube-Kanal  live zu sehen. Los geht es um 9.30 Uhr.

Gemeinden im Rhein-Erft-Kreis öffnen ihre Häuser

Die Hochwasser-Katastrophe hat auch Gebiete im Rhein-Erft-Kreis, in Köln und im weiteren Umland getroffen. Wie Markus Zimmermann, stellvertretender Stadtsuperintendent des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, berichtet, haben Gemeinden im südlichen Rhein-Erft-Kreis ihre Gemeindehäuser geöffnet und bieten Hilfe an. In Bergheim habe die evangelische Kirchengemeinde eine 50-köpfige Jugendgruppe aufgenommen.

„Die besonders betroffenen Kirchengemeinden berichten von einer großen Hilfsbereitschaft“, sagt Pfarrer Michael Miehe. Er vertritt während der Urlaubszeit den Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Süd. „Die Menschen unterstützen einander nach Kräften, müssen aber auf der anderen Seite wachsam die Entwicklung der Situation verfolgen, die sich derzeit an einigen Stellen noch zuspitzt.“

Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger wollen Kolleginnen und Kollegen entlasten

21 Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger aus dem Lahn-Dill-Kreis haben sich auf die Anfrage von Pfarrer Eberhard Hoppe, Leiter der Notfallseelsorge Lahn-Dill,  für mögliche Einsätze gemeldet. Dies geschah auch auf den Aufruf der Landespfarrerin der rheinischen Kirche, Bianca van der Heyden, hin. Es geht darum, die erschöpften Seelsorge-Teams in den Unwettergebieten austauschen und ihnen Ruhe gönnen zu können.

Die Unwetter-Katastrophe hat Gruiten stark getroffen. Foto: Hanno Nell

Historisches Pfarrhaus in Gruiten mit Schlamm geflutet

In Haan-Gruiten hat es den historischen Ortskern schwer getroffen. Das Pfarrhaus von 1764 und die kleine Kirche sind überflutet worden. Der Schlamm war in das Pfarrhaus gespült worden, in dem Pfarrer Hanno Nell mit seiner Frau und ihren fünf Kindern wohnt. Neben dem Erdgeschoss sei auch der Garten betroffen gewesen, berichtete die Familie der „Rheinischen Post“. Nach einer Bestandsaufnahme sei es jedoch schnell ans Aufräumen gegangen. Dazu habe auch die Rettung eines großen Fisches gehört, der in den Garten gespült worden sei und nach dem Abklingen des Hochwassers wieder in die Düssel gesetzt worden sei. Bei der Beseitigung von Schlamm und Wasser seien dann die Evangelische Jugend vor Ort sowie Freiwillige zur Hilfe geeilt.

Düsseldorfer Gemeinden glimpflich davongekommen

Nahezu glimpflich davongekommen sind die Kirchengemeinden in Düsseldorf angesichts des Ausmaßes der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit vielen Toten und einer unfassbaren Zerstörung. Das teilt die Evangelische Pressestelle Düsseldorf kurz nach dem Eintreten des Hochwassers mit. Bislang gibt es demnach Schadensmeldungen aus Eller, Düsseltal, Mörsenbroich und Garath. In Eller stand der Keller der Schlosskirche unter Wasser. Bis Donnerstagvormittag hat der Hausmeister der Kirche den Keller leergepumpt, berichtet Pfarrer Kornelius Heering. Größere Schäden seien aber nicht entstanden. In Düsseltal hat es in der Kapelle der Matthäikirche und anderen Kellerräumen einen Wassereinbruch gegeben, berichtet Pfarrer Lars Schütt von der Evangelischen Emmaus-Kirchengemeinde. In zwei bis drei Räumen müsse vermutlich der Boden ausgetauscht werden. In der Thomaskirche auf der Eugen-Richter-Straße in Mörsenbroich drang ins Souterrain Wasser ein. Die Räumlichkeiten werden von der Diakonie (Zentrum Plus) und der Jugendeinrichtung der Gemeinde benutzt. Der Schaden wird eher als gering bewertet. „Hier müssen wohl nach einer ersten Einschätzung lediglich ein paar Teppiche ausgetauscht werden“, sagt Schütt. In Garath war die Kindertagesstätte an der Julius-Raschdorff-Straße (neben der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche), die von der Diakonie Düsseldorf betrieben wird, von der Unwetterkatastrophe betroffen. Durch die Toiletten drang Wasser in die Räumlichkeiten der KiTa ein. Einen größeren Schaden konnte durch Wolfgang Paniczek vom Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Garath und einem hingezogenen Dachdecker verhindert werden. Auf dem Dach standen ungefähr 4000 Liter Wasser, dass nicht abfließen konnte. „Nachdem die Abläufe gereinigt wurden, konnte das Wasser wieder ablaufen. Deshalb dürfte hier kein Regenwasser mehr durch die Decke eindringen“, berichtet Paniczek. Wie groß der Schaden insgesamt ist, wird durch beauftragte Fachfirmen ermittelt. Die Böden der Einrichtung müssen wohl nicht ausgetauscht werden, sondern können durch eine Sanierungsfirma getrocknet werden. In Gerresheim wurde die Kirche mit ihren Einrichtungen nicht vom Unwetter getroffen. „Wir wissen aber von Gemeindemitgliedern, die Schäden durch eindringendes Wasser zu beklagen haben“, teilte Pfarrerin Dr. Karin Oehlmann mit. „Gegenseitig greifen sich die Mitglieder der Gemeinde unter die Arme.“ Die Gerresheimer Gemeinde hat an der Kirche eine Fürbittenwand eingerichtet „um einen Ort des Gebets zu schaffen“. Der Helferaufruf der Stadt Düsseldorf wurde über diverse Kanäle weitergeleitet.

Keller in Hilden vollgelaufen

In der Erlöserkirche in Hilden hat das Wasser nach dem Unwetter im Keller glücklicherweise nur zwei bis drei Zentimeter hoch gestanden. Küsterin Tanja Herriger, Pfarrerin Sonja Schüller, Kantorin Dorothea Haverkamp und Heidi Thöring von der Nachbarschaftshilfe der Diakonie haben die gröbsten Schäden bis Freitag, 16. Juli, behoben und Schlimmeres verhindert. Dabei geholfen haben ihnen diverse Gemeindemitglieder. Mittlerweile ist das Wasser entfernt und die Trocknung läuft bereits.

Team der Notfallseelsorge Solingen im Einsatz

„Es war gegen 22.30 Uhr am Mittwochabend, als Einsatzkräfte begannen, den Solinger Stadtteil Unterburg zu evakuieren“, berichtete Thomas Förster, Pressesprecher des Evangelischen Kirchenkreises Solingen am Donnerstag, 15. Juli. Weil Wupper und ein Nebenfluss sich immer reißender in den idyllischen Stadtteil ergossen, habe der Krisenstab beschlossen, Bewohnerinnen und Bewohner des überfluteten Stadtteils in eine höhergelegene Grundschule zu bringen. Im Rahmen des Einsatzplans löste die Einsatzleitung der Feuerwehr demnach auch Alarm für die Notfallseelsorge aus, die in Solingen vor allem von der Evangelischen Kirche getragen wird, wie der Kirchenkreis in einer Pressemitteilung erläutert. Zwei Pfarrer, eine Pfarrerin, ein ehrenamtlicher Seelsorger und eine ehrenamtliche Seelsorgerin blieben demnach bis zum frühen Donnerstagmorgen in der Grundschule sowie in der provisorisch durch das Deutsche Rote Kreuz mit Feldbetten ausgestatteten Schulturnhalle. „Wir gingen von Raum zu Raum und boten den Menschen, die im Laufe des späten Abends und der Nacht zur Sammelstelle gebracht wurden, Gespräche an, um die Situation zu verarbeiten“, erklärt Pfarrer Klaus Hammes, der im Evangelischen Kirchenkreis Solingen auch Vorsitzender des Beirats für die Notfallseelsorge ist. Peter Binz war als ehrenamtlicher Notfallseelsorger vor Ort: „Wir hatten viele gute Gespräche.“ Auch Renate Tomalik war gegen Mitternacht nachalarmiert worden und bis gegen 5 Uhr als Notfallseelsorgerin aktiv. „Ich habe alle möglichen Reaktionen erlebt“, berichtet die Klinikpfarrerin, „einige waren völlig cool. Andere begegneten mir tief verzweifelt, manche haderten mit Gott.“ Auch Magda Becker war als Ehrenamtliche in der Sporthalle vor Ort. Ein sechster Notfallseelsorger suchte in der Hauptfeuerwache das Gespräch mit Einsatzkräften, die besonders belastende Situationen erfahren hatten. Um 12 Uhr am Donnerstag konnte auch die letzte Person mit ihrem Hund die Turnhalle der Grundschule verlassen. Nachdem die Pegelstände in Unterburg im Laufe des Tages kräftig gefallen waren, durften gegen Mittag laut dem Kirchenkreis Solingen die ersten Unterburger in ihre Häuser zurückkehren. Auch hier kümmerten sich eine Notfallseelsorgerin und ein Notfallseelsorger vor Ort. Der Solinger Krisenstab hatte sie gebeten, Menschen ein Gesprächsangebot zu machen, die nach ihrer Rückkehr verarbeiten mussten, welche Schäden das Hochwasser an ihrem Zuhause angerichtet hatte. Bis zum späten Nachmittag waren sie in ihren violetten Warnwesten mit dem gut lesbaren Schriftzug „Seelsorge“ im Stadtteil unterwegs.

Kirche in Solingen-Unterburg von Fluten der Wupper erwischt

Von den erschreckenden Ausmaßen des Hochwassers der vergangenen Tage blieben auch die Kirchengemeinden im Kirchenkreis Lennep nicht verschont. Wie der Kirchenkreis mitteilt, wurde die Kirche Unterburg im Solinger Stadtteil Unterburg und der angrenzende historische Friedhof von den Fluten der Wupper in Mitleidenschaft gezogen. Das denkmalgeschützte Kirchengebäude am Ufer der Wupper aus Bruchstein im bergischen Barockstil war demnach von den Wassermassen schnell umschlossen. Auch der benachbarte historische Friedhof aus dem Jahr 1744 sei alsbald von den braunen Fluten bedeckt gewesen. „Sobald das Wasser abgeflossen ist, werden wir die Schäden, die das Hochwasser an unserer Kirche, auf dem Friedhof und im angrenzenden Gemeindehaus angerichtet hat, sichten“, sagte die für Burg zuständige Pfarrerin Almuth Conrad aus der Kirchengemeinde Wermelskirchen.

Bildungseinrichtung im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel beschädigt

„In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist während des Unwetters, die Evangelische Jugendbildungstätte Merzbach unseres Kirchenkreises in Mitleidenschaft gezogen worden“, berichtet Rainer Steinbrecher vom Kinder- und Jugendreferat des Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel. Vom angrenzendem Hang sei das Wasser rasend schnell über den Innenhof und dann in den Keller des Haupthauses gelaufen. „Mit Bierzeltbänken und Tischen wurde versucht, das Wasser vom Kellerschacht wegzuleiten, um zu erreichen, dass der Wasserpegel im Keller nicht mehr steigt und somit das Erdgeschoss nicht auch noch in Mitleidenschaft gezogen wird“, schildert Steinbrecher. Nach einer Stunde bangen, sei dann doch der Pegel im Keller wieder gesunken. „Während des Donnerstags begann schon das Aufräumen, da das Wasser sich zügig wieder zurückgezogen hatte. Doch der gesamte Keller inklusive aller technischen Geräte sind  betroffen und wir wissen aktuell nicht, wie hoch der Schaden sein wird.“ Ein Lichtblick seien die  Mitarbeitenden, die es sich trotz teils eigener Schäden nicht haben nehmen lassen zu kommen und bei den Arbeiten zu helfen. „Und plötzlich tauchten auch Kolleginnen auf, die sofort mit anfassten und Ihre Kontakte in die Gemeinde nutzten, um Aggregate, Pumpen und Helfende Menschen zu organisieren“, ist Steinbrecher dankbar für diese kleinen mutmachenden Geschichten in all dieser Not.
Die Bildungseinrichtung des Kirchenkreises Bad Godesberg ist ordentlich in Mitleidenschaft gezogen worden. (Foto: Rainer Steinbrecher)

Leverkusen: Kirche, Kindergarten und Gemeindehaus unter Wasser

„Uns hat es ordentlich erwischt“, sagt Dr. Anika Distelrath-Lübeck, Baukirchmeisterin der Kirchengemeinde Opladen in Leverkusen-Opladen. So stehe die Kirche am Bielert bis zu den Altarstufen mit Wasser und Schlamm voll. „Ich war heute morgen selbst vor Ort und stand bis über den Bauchnabel im Wasser“, schildert sie die Situation. Betroffen seien auch das Gemeindehaus nebenan, wo der Keller unter Wasser steht. „Unser Kindergarten ist ebenfalls vollgelaufen, genauso wie das Verwaltungsgebäude.“ Als es am Mittwochnachmittag begonnen habe zu regnen, seien die Kindergartenkinder evakuiert worden. „Mein Kind geht dort zur Kita, wir haben es gerade noch rechtzeitig nach Hause geschafft“, sagt sie. Personenschäden habe es glücklicherweise nicht gegeben. Langsam aber sicher sinke der Pegel. „Ich hoffe, dass kein Regen mehr dazu kommt“, sagt Distelrath-Lübeck.

Die Kirche am Bielert der Kirchengemeinde Opladen in Leverkusen-Opladen ist mit Wasser vollgelaufen. (Foto: Dr. Anika Distelrath-Lübeck)

Köln: Wasser in Kellern und im Jugendhaus

„In der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Bickendorf war Wasser im Keller“, berichtet Sammy Wintersohl, Pressesprecher des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region. Einblicke liefert eine Instagram-Story von Pfarrer Nico Ballmann von der Kirchengemeinde Bickendorf. Ebenfalls im Kirchenkreis Köln-Nord sei das Wasser laut Wintersohl auch in Pulheim in den Keller des Jugendhauses eingedrungen. „Auf der Baustelle der Gemeinde in Sinnersdorf stand ebenfalls einiges unter Wasser, dort wird neben der Kirche ein Wohnhaus gebaut.“ In einigen Kitas in Köln und Region, die von evangelischen Trägern betrieben werden, habe es auch Wasser im Keller gegeben, so zum Beispiel in Köln-Bickendorf, Köln-Ehrenfeld, Köln-Nippes und Köln-Lindweiler.

Der Jugendkeller der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Pulheim ist ebenfalls mit Wasser vollgelaufen. (Foto: Kirchenkreis Köln)

Nachbarschaftshilfe statt Quizabend

In der Kirchengemeinde Köln-Pesch ist am Mittwochabend aus einem Quizabend kurzerhand eine Nachbarschaftshilfe entstanden, wie die Beteiligten auf der Gemeindewebsite berichten. „Zum Glück blieb bei uns alles trocken, doch dann erreichte uns die erste Bitte um Unterstützung aus der Nachbarschaft“, schreiben sie. Schnell hätten sie alle Eimer und Plastikwannen zusammengesucht und sich durch das Wasser auf der Straße in die Nachbarschaftshäuser aufgemacht. Einer der Quizzer organisierte von Zuhause sogar noch einen Wassersauger. „In mehreren Haushalten haben wir helfen können, die Wassermassen abzutransportieren“, schreiben sie zu ihrer „Nächstenliebe mit nassen Füßen“. Ein kurzes Video gibt einen Einblick in die Erlebnisse der Quizzer.

Wuppertaler Gemeinde sichert Gemeindehaus mit Sandsäcken gegen Hochwasser

„Unsere Gemeinde liegt in Wuppertal auf der Höhe“, berichtet Pfarrer Holger Pyka von der Kirchengemeinde Uellendahl-Ostersbaum. Als gestern Abend der Starkregen losgegangen sei, habe die Gemeinde zugesehen, das Gemeindehaus so schnell wie möglich mit Sandsäcken in Sicherheit zu bringen. „Wir haben ja schon die heftigen Unwetter 2018 miterlebt und waren entsprechend vorgewarnt, haben infolgedessen beispielsweise auch Rückstauventile nachgerüstet.“ Deshalb sei der Abend relativ ruhig gewesen. „Es war lange nicht so heftig wie 2018, die Gullideckel gingen zwar hoch, aber nicht meterhoch“. Er weiß aber auch, dass dies in der Wuppertaler Innenstadt ganz anders aussieht, berichtete er am 15. Juli. „Das war schon eine gespenstische Stimmung heute Nacht. Das erste Mal in meinem Leben habe ich die Sirenen so richtig gehört, nicht nur als Übung. Die Menschen in der Talachse wurden aufgerufen, das Erdgeschoss zu verlassen und nicht in die Keller zu gehen“, schildert er seine Eindrücke. Wenn man dann von Verletzten höre, seien das schon beängstigende Gefühle. Zudem gebe es nach wie vor einige Stromausfälle. Die Gemeinde habe dann auch sofort das Gemeindehaus als Notunterkunft für THW und Feuerwehr angeboten. „Die städtischen Turnhallen haben aber dann doch ausgereicht.“ Er habe aber mitbekommen, dass auch viele andere Kirchengemeinden schnell Hilfe nach dem Hochwasser angeboten hätten. „Wir schauen jetzt mal noch in Ruhe, ob im Gemeindehaus doch noch irgendwo Schäden sind. Und hoffen und beten, dass nicht noch etwas nach kommt und es keine weiteren Verletzen oder gar Toten gibt“, sagt Pfarrer Pyka. Selbst glücklicherweise nur wenig betroffen ist die Kirchengemeinde Langerfeld in Wuppertal, wie Pfarrerin Katharina Pött berichtet. „Unser Stadtteil liegt auch etwas höher. Ich habe meine Kontaktdaten aber bei der Feuerwehr hinterlegt, um das Gemeindehaus bei Bedarf zur Verfügung zu stellen.“ Zudem stehe das Gemeindehaus aktuell offen, da einige Straßen im Stadtteil keinen Strom hätten. „Wir bieten Kaffee und Strom, etwa für das Handy, an. Bisher ist der Bedarf aber noch gering.“

Die Kirchengemeinde Uellendahl-Ostersbaum hat ihr Gemeindehaus mit Sandsäcken gesichert. (Foto: Holger Pyka)

  • 19.7.2021
  • Andreas Attinger, Aaron Clamann
  • Red